Free Paper Sessions Saturday

 
Saal C 16:15 - 17:45 03.10.2015
Freie Vortragssitzung Sa26
Versorgungsforschung Health Care Research
Vorsitzende/r: Norbert Pfeiffer (Mainz), Robert Patrick Finger (Bönen)

Referent/in: Oliver Greb (Hannover)
FRAGESTELLUNG: Vorgestellt wird eine Methode zur Messung und Visualisierung des Patientenflows komplex strukturierter Augenambulanzen. METHODIK: Zugrunde liegt eine hierfür programmierte netzwerkbasierte Software mit dem Ziel der Prozessoptimierung und die zeitlich strukturelle Abstimmung der Prozesse aufeinander. ERGEBNISSE: Jede Untersuchungseinheit erhielt eine separate Warteliste, in der zu jedem Patienten der Patientenflow auf einer Timeline aufgezeichnet wurde. Von der Warteliste ausgehend wurden Zeiträume und Zeitpunkte per Mausklick aufgezeichnet und Aufträge zur Diagnostik erteilt. Außerdem wurde über ein Signal mitgeteilt, wann eine Oberarztabnahme gewünscht war. Hierbei wurden Feedbackschleifen verwendet, die zu jeder Zeit für alle involvierten Instanzen innerhalb der Ambulanz den aktuellen Progress der Patienten sichtbar machten. Die praktische Anwendbarkeit wird bereits seit wenigen Monaten erfolgreich getestet. So konnte zum Beispiel bei Aufzeichnungen des Patientenflows von 88 Vorstellungen zu intravitrealen Injektionen eine durchschnittliche Anwesenheitszeit von 141,9 Minuten gezeigt werden, wobei auch automatisch eine zeitliche Erfassung von Teilschritten erfolgte. SCHLUSSFOLGERUNG: Langfristig bilden die Aufzeichnungen der Daten zum Patientenflow eine Basis, um Patienten zeitgerecht durch die vielschichtigen Untersuchungen einer Universitäts-Augenpoliklinik zu führen und Wartezeiten zu optimieren, sowie den Einfluss einzelner Umstrukturierungen innerhalb einer Ambulanz zu untersuchen. Da die Einführung der Software selbst mit einem Strukturwandel einhergeht, ist auch ein Fragebogen für die involvierten Mitarbeiter geplant.
Referent/in: Alexander Schuster (Mainz)
Fragestellung: Optische Kohärenztomographie (OCT) des vorderen Augenabschnitts erlaubt eine quantitative Analyse der Geometrie der Iris - insbesondere die Untersuchung der (Retro-)Kurvatur der Iris. Wir führten bilateral eine spectral-domain OCT-Messung in gesunden emmetropen, hyperopen und myopen Personen durch, um Zusammenhänge zwischen Iris-Konfiguration, Refraktion, Alter und Intraokulardruck zu untersuchen. Methodik: 668 Augen von 398 Personen (302 Männer, 96 Frauen) mit einer Refraktion von < -4 und >+3 Dioptrien wurden in die Studie eingeschlossen. Im Vorderabschnitts-Modus des spectral-domain 3D OCT-2000 (Topcon Inc., Japan) wurde der temporale Meridian untersucht. Non-Kontakt-Tonometrie wurde durchgeführt (CT-80, Topcon Inc., Japan). 93 Augen von 50 emmetropen Personen (+/- 0.5 Dioptrien) dienten als Referenzgruppe. Vorherige intraokulare und refraktive Chirurgie waren Ausschlusskriterien für alle Gruppen. OCT-Scans wurden qualitativ auf Vorliegen eines Irisprofils mit Retrokurvatur (konkav) untersucht und im Anschluss das Ausmaß der Wölbung quantitativ mittels ImageJ-Software (NIH, Bethesda, USA) bestimmt. Statistische Analysen (Verteilung, lineare Regression) wurden mittels SPSS-Software (SPSS 21.0, Chicago, USA) durchgeführt. Ergebnisse: Die mittlere hyperope Refraktion war +4,24 (+3 - +7,75) Dioptrien, die mittlere myope Refraktion war -5,86 (-4 - -11,75) Dioptrien. Auswertbare Iris-OCT-Darstellungen konnten von 50 (69.4%) hyperopen und 402 (71.4 %) myopen Augen erhoben werden. In der myopen Gruppe hatten 78 Augen ein konkaves Irisprofil (19,4%), wohingegen in der hyperopen Gruppe kein Auge diese Konfiguration aufwies (0%). In der Kontrollgruppe waren es zwei Augen (2,2%). In der Regressionsanalyse zeigte sich eine Abhängigkeit zu Refraktion und Alter (p< 0.001), hingegen kein Zusammenhang mit dem Intraokulardruck. Myope und jüngere Personen hatten häufiger eine konkave Iris. Die posteriore Wölbungstiefe der Iris betrug im Mittel 183 µm (73µm Standardabweichung). Schlussfolgerung: Spectral-domain OCT-Bildgebung kann zur Analyse der Irisstruktur und -geometrie verwendet werden. Unsere Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer konkaven Irisstruktur und Myopie beziehungsweise jüngerem Alter auf. Das Verständnis dieses Zusammenhangs könnte hilfreich sein, wenn man die OCT-Bildgebung als diagnostisches Tool zur Evaluation der Irisstruktur verwendet insbesondere bei Glaukom-bezogenen Fragestellungen.
Referent/in: Susanne Marx-Groß (Mainz)
Ziel der Untersuchung war es, Glaukomdiagnosen des kindlichen Glaukoms sowie medikamentöse und operative Behandlungen zu analysieren. Methode: Wir führten eine retrospektive Analyse der Befunde aller von 2005 bis 2012 in der Universitäts-Augenklinik stationär behandelten Patienten durch. Eingeschlossen wurden die Patienten, die zum Aufnahmezeitpunkt unter 18 Jahre alt waren und die Aufnahmediagnose Glaukom hatten. Wir analysierten die Glaukomdiagnose, Erkrankungsalter, sowie medikamentöse und operative Therapien. Ergebnisse: Es wurden 299 Augen von 151 (w:m=65:86) Patienten mit Glaukom, die zum Untersuchungszeitpunkt unter 18 Jahre alt waren, eingeschlossen. Im untersuchten Kollektiv hatten 92 Augen kongenitales Glaukom, 42 juveniles Glaukom, 47 Augen Aphakieglaukom, 10 Augen Sturge-Weber-Syndrom mit Glaukom, 29 Augen Axenfeld-Rieger-Syndrom mit Glaukom, 13 Augen Sekundärglaukom nach Trauma oder Uveitis und 32 Augen okuläre Hypertension. Die Patienten waren im Mittel bei der Erstdiagnose ihrer Erkrankung 3,8 Jahre alt. Insgesamt wurden 630 Operationen an 170 Augen durchgeführt. Bei den meisten Patienten erfolgten ein bis zwei Eingriffe. Jedoch gab es Augen, bei denen bis zu 30 Operationen erforderlich waren. Es wurden 325 kontrollierte Zyklophotokoagulationen (COCO) an 99 Augen, 123 Trabekulotomien an 97 Augen, 58 Trabekulektomien an 49 Augen, 32 Goniotomien an 20 Augen, 31 Zyklokroykoagulationen an 21 Augen, 23 Ahmed-Valve-Imlantationen an 19 Augen und 2 Molteno-Implantate an 2 Augen durchgeführt. 38 Augen erhielten ein Glaukomwirkstoff, 46 Augen eine medikamentöse Zweifachkombination, 29 Augen eine Dreifachkombination und 8 Augen eine Vierfachkombination. Schlussfolgerung: In unserem Patientenkollektiv war das kongenitale Glaukom die häufigste Glaukomform. Insgesamt waren die am häufigsten pro Auge durchgeführten Eingriffe die kontrollierte Cyclophotokoagulationen. Es mussten 46% der Patienten trotz Operation zusätzlich medikamentös behandelt werden.
Referent/in: Alireza Mirshahi (Bad Godesberg)
Purpose: To assess the association between myopia and cognitive function. Methods: This analysis is based on a cohort of the population-based Gutenberg Health Study, including 3452 eligible enrollees between 40 and 79 years of age. We applied a standardized protocol entailing a comprehensive questionnaire, thorough ophthalmic tests and psychological examination including the Tower of London test (TOL) measuring the cognitive function by means of planning ability. We documented achievement levels in school education and post-school professional education. The spherical equivalent (SE) was determined by noncycloplegic autorefractometry. Myopia was defined as SE ≤-0.5 diopters (D). We performed mixed linear models with SE as dependent variable and age, gender, duration of education and TOL-score as covariates. Results: Mean TOL-score was 14.0 ±3.9 in myopes vs. 12.9 ±4.0 non-myopes (p< 0.001) which indicates a higher cognitive ability in myopes. Mean TOL-score increased with the magnitude of myopia: it was 13.9 ±3.9 in low (less than -3 D), 14.3 ±3.7 in moderate (between -3 and -6 D), and 14.6 ±3.5 in high myopia (-6 D and greater) (p< 0.001). Both duration of education and cognitive function correlated to the magnitude of myopia (r=-0.21, p< 0.001 and r=-0.15, p< 0.001; respectively). Duration of education was associated with a higher cognitive function (r=0.26; p< 0.001). In a mixed multivariate analysis, duration of education served as a much better predictor for myopia (t= -10.518; p< 0.001) than cognitive function which was only tendentiously associated with myopia (t= -1.783; p=0.075). There was a significant effect of age on SE (t= 13.705; p< 0.001). Conclusions: Myopia is linked to a higher cognitive ability. However, cognitive ability appears to be less strongly and directly related to myopia than educational level is. This suggests that educational outcomes, which are directly related to risk factors for myopia such as nearwork and time outdoors, and hence to direct biological pathways for control of eye growth, are more directly related to myopia than is cognitive ability. Cognitive ability could be associated with myopia primarily through its impact on educational outcomes.
Referent/in: Wolfgang Schrader (Würzburg)
Frage: Wir befassten uns mit der Frage, wie sich die demographische Entwicklung auf die stationäre vitreoretinale Chirurgie in Deutschland auswirkt und welche Trends sich ausserhalb der demographischen Entwicklung ablesen lassen. Methode: Auswertung der Statistiken des statistischen Bundesamtes und der strukturierten Qualitätsberichte der Krankenhäuser, bezogen auf das Jahr 2013. Zum Vergleich werden auch Daten aus 2006, 2009 und 2011 herangezogen. Es wird eine Prognose für das Jahr 2020 versucht. Ergebnisse: Nach den aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes wurden 2013 in Deutschland 67029 Fälle mit Pars plana Vitrektomien (OPS Code 5-158) und 7307 Plomben oder Cerclagen (OPS Code 5-152) stationär behandelt. Bezogen auf die Bevölkerung hat die Zahl vitreoretinaler Fälle von 2006 bis 2013 von 78,2 auf 91,9 je 100.000 Einwohner zugenommen, das heisst um 17,5%. Aufgrund der Altersentwicklung allein wäre der Anstieg nur halb so groß ausgefallen. Bis 2020 ist mit einem Anstieg der stationären PPVs um weitere 8% allein aufgrund der demographischen Entwicklung zu rechnen. Die Zahl der Vitrektomien bei unter 20jährigen hat zwischen 2006 und 2013 um 23% abgenommen, ihr relativer Anteil um 60%. Möglicherweise ist dies auf den gleichzeitig anhaltenden Rückgang an bulbuseröffnenden Verletzungen in dieser Altersgruppe zurückzuführen. Die Anzahl der Plombenoperationen (OPS-Code 5-152) nahm von 2006 12,5 auf 2013 9,0 je 100.000 Einwohner ab. Der Anteil der Plombenoperationen unter den Netzhautablösungen (DRG H33) liegt derzeit bei knapp 25% (Spannbreite 0 bis 89%). Universitätsklinika und Abteilungen mit einem leitenden Netzhautoperateur, der älter als 50 Jahre alt ist, weisen häufiger die OPS-Ziffer 5-152 aus als andere Abteilungen. Die Zahl der codierten DRGs für eine Netzhautablösung ist mit 33 Fällen je 100.000 Einwohner höher als es epidemiologische Studien bislang vermuten liessen. Schlussfolgerungen: Aufgrund erweiterter Indikationen ist weiterhin von einem stärkeren Anstieg vitreoretinaler Fälle auszugehen, als allein durch die demographische Entwicklung zu erklären wäre. Die Zahl der Vitrektomien bei jungen Menschen nimmt dagegen ab. Netzhautablösungen werden zunehmend durch Vitrektomien versorgt. Allerdings liegen keine Daten vor, in wie weit eine Verlagerung vitreoretinaler Eingriffe in den ambulanten Bereich stattgefunden hat und stattfinden wird.
Referent/in: Philipp Schwarz (Greifswald)
Fragestellung: Ist eine Ultraschallbiometrie bei Eyecamps in der 3. Welt der Implantation einer einheitlichen Kunstlinse vorzuziehen ? Methodik: Im Rahmen eines ambulanten Eyecamps in Grootfontein,Namibia wurden 117 Pat. kataraktoperiert. Aus Gründen der Effizienz erfolgte die Voruntersuchung und Biometrie durch ärztlichem Hilfspersonal,den ophthalmic clinical officers. Durch zu starke Impression der Ultraschallsonde auf den Bulbus wurde bei 39 Pat. während der Achslängenmessung eine zu kurze Bulbuslänge ermittelt. Anhand der Biometriedaten wurde untersucht, ob die Implantation einer einheitlichen Kunstlinse in der Stärke 22 dpt. der individuell ermittelten Kunstlinse vorzuziehen ist. Ergebnis: Bei 65% der Patienten wäre das postoperativ unkorrigierte Sehvermögen in einem Bereich von +/- 1,5 dpt. gelegen, bei 25% bei +/- 1,5 bis 3 dpt. und 10% über +/-3dpt. Schlussfolgerung: Entsprechend dem refraktiven Defizit [1] lägen 65% der Patienten in Bereich einer nichtvorhandenen bis geringen Sehbeeinträchtigung [2] ( Visus 0,3 und besser). Die restlichen Patienten hätten mit einem Visus von 0,3 und schlechter eine mittelgradige bis schwere Sehbeeinträchtigung [2]. Bei einer ähnlichen Untersuchung konnte diese hypothetische Überlegung bereits bestätigt werden.[3] Das refraktive Defizit könnte zwar durch eine Brille behoben werden, jedoch fehlen hierfür vielen Pat. die finanziellen Mittel. Zudem ist die Anfertigung einer individuell angepaßten Brille wesentlich höher als der Preis für eine Lesebrille. Weiterhin liegt bei den fehlerhaft biometrierten Pat. eine postoperative Myopie vor, mit der ohne Korrektur immer noch eine Nahvisus möglich ist. Eine Biometrie ist der Implantation einer einheitlichen Kunstlinse daher vorzuziehen. Literatur: [1] Diepes, H. "Künstliche Fehlsichtigkeiten." In Refraktionsbestimmung, 3, 227-235: DOZ Verlag Optische Fachveröffentlichung, 2004. [2] World Health Organization. WHO Definition of Blindness, 1993 [3] Briesen, S., H. Roberts, and S. Lewallen. "The Importance of Biometry to Cataract Outcomes in a Surgical Unit in Africa." Ophthalmic Epidemiol 17, no. 4 (2010): 196-202.
Referent/in: Katharina Breidenbach (Doha)
Background: Athletes involved in ballsports and other activities have been reported to exert outstanding vision perception with visual acuity being only one factor, and cognitive functions and higher cortical performance being essential for excellence. Methods: As a consulting Department for the ASPETAR Olympic Hospital 98 top athletes mainly involved in ball sports with UCVA ≤0.9 were assessed by Pentacam and IOLmaster. Main outcome measures: incidence of keratoconus, incidence of amblyopia and refractive errors Results: Mean UCVA was 0.6/0.63, BSCVA 0.9/0.93. Only 8:98 had glasses resp. contact lenses. Low vision ≤0.4 in at least one eye was present in 38:98, atrophia bulbi in 1. 17:98 had an amblyopia. Keratoconus was found in 28:98 with a mean visual acuity of 0.5/0.57 (BSCVA 0.8/0.83), 23:28 could only reach a BSCVA of ≤.8 in one eye. Corneal ectasias presented as pellucid marginal corneal degenerations (4x), central (1x) and inferior (23x) keratoconus. 6:28 presented with keratoconus stage 3+ (Pentacam), 4:28 had known about their eye condition previously and 3:28 had surgery (Ferrara rings, corneal cross-linking), one had contact lenses. Main ethnicities of the refractive error group: Qatari 36:98; Egyptians 15:98, Syrians 7:98 and others, of the keratoconus group: Qatari 8:28, Egyptians 3:28, and others. All individuals fitted with visual aids were reluctant to accept them. Conclusions: in this study uncorrected refractive errors and keratoconus are frequent in top athletes of Arab countries. Visual acuity seems not to be a predominant factor in visual perception and athletic performance. Visual perception in ballsport athletes to estimate fitness must include additional means of measuring the relevant factors in the Action Observation Network including predictive oculomotor functions and cognitive performance.
Referent/in: Erika Wegscheider (München)
Methodik: In folgendem Beitrag wird ein Resümee aus 9 Jahren Praxis Erfahrung mit der TCM gezogen. Die Krankheitsverläufe ausgewählter Patienten werden mit Bildmaterial dokumentiert, die chinesische Phytotherapie und Akupunktur erläutert. Ergebnisse: Die positive Wirkung der Phytotherapie und Akupunktur wird an Patientenbeispielen mit unterschiedlichen westlichen Diagnosen aufgezeigt. Bei zahlreichen Erkrankungen wird der mehrjährige Krankheitsverlauf dargestellt. Schlussfolgerung: Die ersten Aufzeichnungen zu Erkrankungen im Augenbereich datieren auf das 1. Jhd. a. Chr.. Seit Beginn der Tang- Dynastie (618- 906 p. Chr.) gibt es die Augenheilkunde als eigenständige Fachrichtung. Seither wurden viele Erfahrungen gesammelt und aufgeschrieben. An zahlreiche Kliniken im modernen China arbeitet westliche und östliche Medizin Hand in Hand. Im Sinne der Patienten ist es sinnvoll diesen Erfahrungsschatz zu nutzen und für unsere Belange zu optimieren.